AL GORE – US-FRIEDENSNOBELPREISTRÄGER, POLITIKER
UND UMWELTSCHÜTZER
Friederich Mielke
Mit Al Gore wurde ein Amerikaner mit dem Friedensnobelpreis
geehrt, der seit 30 Jahren gegen Umweltverschmutzung, Treibhauseffekt
und die Probleme der modernen Welt kämpft. Gore hatte
schon 1992 in seinem Bestseller „Wege zum Gleichgewicht
– Ein Marshallplan für die Erde“ auf die
„dysfunktionale Zivilisation“ hingewiesen: Die
Welt stünde am Rande einer Umweltkatastrophe; ökologisch
angepasste Technologien, Aufklärung über die Umweltkrise
und die Stabilisierung der Weltbevölkerung sollten das
Schlimmste verhindern. Gore forderte eine globale strategische
Umweltinitiative, eine „grüne Revolution“
und eine neue globale Ökonomie. „Wir können
an diese Zukunft glauben“, schrieb er damals. „Oder
wir können uns so verhalten, als gäbe es bald keine
Kinder mehr, die unser Erbe übernehmen. Die Entscheidung
liegt bei uns; auf dem Spiel steht die Erde“.
1992 kämpfte Gore als Vizepräsidentschaftskandidat
gegen Präsident George Herbert Walker Bush. Schon damals
wurde sein Engagement für die Umwelt vom politischen
Gegner diskreditiert. Bush-Vater nannte Gore verächtlich
den „Ozon-Mann“, der Amerika grüne Wälder
aber keine Arbeitsplätze versprach. Im Streit zwischen
Umweltschützern und Industrie kämpfte Gore auf Seiten
der amerikanischen Grünen. Damals war er noch ein Rufer
in der Wüste, heute sind sein Engagement und seine Vision
weltbekannt. Vom amerikanischen Politiker zum globalen Umweltschützer
– nach der Wahlniederlage im November 2000 drohte er
zur tragischen Figur zu werden. Seitdem arbeitet er unermüdlich
am Umweltthema. Es gelang ihm, die Niederlage von 2000 mit
dem Triumph des Friedensnobelpreises 2007 auszugleichen.
Al Gore wurde 1948 in eine prominente Politikerfamilie geboren.
Sein Vater, Albert Arnold Gore, war Senator des Staates Tennessee.
Sohn Al studierte Politik, Jura und Theologie in Harvard und
an der Vanderbilt University und diente als Militärreporter
der US-Armee in Vietnam. 1976 wurde er in das US-Repräsentantenhaus
gewählt, 1984 zog er für den Staat Tennessee in
den Senat ein. Bereits 1988 kandidierte er für das Weiße
Haus, unterlag aber in den Vorwahlen gegen Gouverneur Michael
Dukakis. 1993 ernannte ihn Bill Clinton zum 45. US-Vizepräsidenten
– ein Amt, das er bis 2001 ausübte. Gore gilt als
einer der einflussreichsten Vizepräsidenten Amerikas.
Er widmete sich besonders dem Abbau von Bürokratie, förderte
das Bildungswesen und das Internet und kämpfte gegen
die Umweltverschmutzung. Im November 2000 unterlag er im Präsidentschaftswahlkampf
mit 537 Stimmen im Staate Florida gegen George W. Bush. Der
Oberste Gerichtshof hatte die endgültige Auszählung
der Stimmen in Florida gestoppt. Obwohl Gore eine halbe Millionen
Stimmen mehr erzielt hatte, konnte Bush die Mehrheit im Wahlmännergremium
erringen.
Gore war schwer enttäuscht, aber er gab nicht auf. Er
setzte sich verstärkt für die Rettung der Umwelt
ein, hielt Vorträge, schrieb Bücher und besuchte
Talk Shows. Millionen sahen seinen Dokumentationsfilm „Eine
unbequeme Wahrheit“, der mit einem Oscar prämiert
wurde. Am 7. Juli 2007 fand ein großes Konzert statt,
das auf sieben Kontinenten 24 Stunden lang lief. Das Event
machte auf die Klimaerwärmung und die neue Umweltbewegung
„Save Our Selves“ (SOS) aufmerksam. In seinem
neusten Buch „Angriff auf die Vernunft“ greift
Gore die Fehlentwicklungen unter George W. Bush scharf an:
„Die amerikanische Demokratie läuft Gefahr, von
innen ausgehöhlt zu werden“, schreibt der Ex-Vizepräsident.
„Heute steht nichts Geringeres auf dem Spiel als das
Grundprinzip unserer Nation und damit das eigentliche Wesen
der USA“. Amerika brauche eine „Wiedergeburt der
Demokratie“.
Für Al Gore ist der Kampf gegen die Umweltkrise eine
moralische Verpflichtung. Viele Parteifreunde drängen
ihn zur erneuten Präsidentschaftskandidatur. Zurzeit
läge er bei den Demokraten an vierter Stelle hinter Hillary
Clinton, Barack Obama und John Edwards. Doch er hat seine
Kandidatur bisher nicht angemeldet. Der Wahlkampf wäre
ein menschliches Problem: Gore müsste Hillary Clinton
verdrängen, die eifrig an ihrer Kandidatur arbeitet.
Die Gores sind mit den Clintons befreundet. Gore hatte seine
politische Chance; jetzt gehört er zu den Großen
der Umweltpolitik. Vielleicht nahm sein Schicksal diese Wende
nicht nur zum Wohle Amerikas sondern zum Wohle der ganzen
Welt.