Der US-Präsident besucht Deutschland
ABSCHIED VON BUSH
George W. Bush kommt wieder nach Deutschland. Sein Abschiedsbesuch
verführt dazu, ihn wegen seiner Fehler zu schmähen
und als „lahme Ente“ zu verhöhnen. Doch das
wäre unfair. Seit einigen Jahren bemüht sich Bush
um verbesserte transatlantische Beziehungen. Seine „Charmoffensive“
zeigt Erfolge. Er hat verstanden, dass die Weltmacht USA Deutschland
und Europa braucht. Zumindest im europäisch-amerikanischen
Verhältnis herrscht wieder Kooperation und Kommunikation.
Die Bundeskanzlerin ist an dieser erfreulichen Wende maßgeblich
beteiligt. Frau Merkel weiß, dass die USA wirtschaftlich,
militärisch und diplomatisch langfristig eine wichtige
Rolle spielen werden. Europa und Amerika gehören zusammen.
Und die horrenden menschlichen und materiellen Kosten des
Irakkrieges zahlt Amerika allein – nicht Deutschland
oder Europa. Die ausgestreckte Hand der Kanzlerin ist politisch
und diplomatisch opportun: Engen transatlantischen Bindungen
sind Garant für Ordnung und Verlässlichkeit im 21.
Jahrhundert.
Trotz schwerer Misserfolge hat Bush auch Positives bewirkt:
Er hat die Abrüstungsverhandlungen mit Nordkorea gefördert,
die Palästinafrage auf der Agenda gehalten, die Freundschaft
mit Indien gestärkt, Afrika unterstützt und Libyen
in die Weltgemeinschaft zurückgeführt. Sein hartnäckiger
Kurs gegenüber Iran bleibt umstritten; aber immerhin
hat er sich für eine neue Klimapolitik entschieden. Dieser
Kurswechsel geschah auch durch aktiven Einfluss der Europäer.
Die unglückliche Amtszeit von George W. Bush ist eine
vorübergehende Episode der amerikanischen Geschichte.
Schon zeichnet sich die große Wende in Washington ab.
Als Deutsche sollten wir nicht vergessen, dass uns Amerika
zunächst vom Faschismus und dann vom kommunistischen
Totalitarismus befreit hat. Der Vater von George W. Bush –
Bush Senior – hat die Wiedervereinigung aktiv vorangetrieben,
als England und Frankreich noch zögerten. Die Fehler
von Bush junior sollten uns nicht daran hindern, den Amerikanern
trotz allem die Hand zu reichen. Die US-Geschichte hat oft
gezeigt, dass Fehler korrigiert werden können. Wir sagen
„Good-bye George“ und hoffen, dass es seine Nachfolger
besser können.