ERFAHRUNGEN DER WAHL 2004 RÜSTEN DIE DEMOKRATEN FÜR 2008

Friederich Mielke

Nach der Wahl ist vor der Wahl: 2008 haben die Demokraten eine neue Chance. John Kerry, Howard Dean, John Edwards, Obama Barack oder Hillary Clinton werden versuchen, die Republikanische Hegemonie zu brechen. 2008 können die Demokraten die Erfahrungen aus der Wahlniederlage 2004 nutzen. Und diese Erkenntnisse sind klar:

Erstens: Im Krieg bleiben Amerikaner ihrem Präsidenten treu. Der Krieg gegen den Terror, die explosive Lage im Nahen Osten, der Irakkrieg und die Spannungen mit Nordkorea und Iran erlauben keinem links-liberalem Nordstaatler, das Weiße Haus zu erobern. Bill Clinton regierte beim Übergang zwischen Kaltem Krieg und Terrorkrieg. Seine „humanitären Interventionen“ in Somalia, Haiti und auf dem Balkan berührten keine nationalen Interessen der USA. Seit dem 11. September ist das Land nach rechts gerückt: Die Wähler wollen die grandiose Unversehrbarkeit der USA wiederherstellen und fordern eine harte, konsequente Hand.

Zweitens: Links-Liberale Senatoren aus dem Nordosten sind nicht mehrheitsfähig. Die Demokraten schicken ständig links-liberale Senatoren aus dem Norden in die Schlacht – und verlieren. Die amerikanische Geschichte kennt viele Beispiele für erfolglose links-liberale Nordstaatler: Hubert Humphrey scheiterte 1968 gegen Richard Nixon, George McGovern verlor 1972, Walter Mondale wurde 1984 von Reagan geschlagen, und Michael Dukakis unterlag 1988 gegen Bush-Vater. John F. Kerry hat 2004 nur knapp verloren, aber auch er war ein links-liberaler Nordstaatler, der nicht mehrheitsfähig war. Die erfolgreichen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten kamen aus dem Süden – Jimmy Carter (1976) und Bill Clinton (1992). Beide waren konservativ, südstaatlich-christlich orientiert – mit Agenda für die Todesstrafe, für den Waffenbesitz und gegen Wohlfahrtstaat und Steuererhöhungen. Als Clinton versuchte, eine links-liberale Agenda durchzusetzen, wurde er vom Wähler 1994 abgestraft. Die Wiederwahl gelang 1996 wegen der exzellenten Wirtschaftsdaten.

Drittens: Die USA sind politisch-geographisch in fünf Blöcke unterteilt. Und diese Blöcke sind im Wahlverhalten unnachgiebig: Nordosten, Süden, Mittelwesten, Rocky Mountains und pazifischer Westen. Kerry gewann jede Wahlmännerstimme im Nordosten und pazifischen Westen. Bush gewann jede Stimme im Süden und in den Rocky Mountains. Minimale Verschiebungen sind nur im Mittelwesten möglich. Kerry hätte ohne den Süden gewinnen können, und Bush gewann ohne den Nordosten. Doch die Republikaner haben eine größere Basis: Der Süden und die Rocky Mountains bieten mehr Stimmen als die gesamte Demokratische Basis.

Viertens: Die neuen Immigranten zeigen ein rechts-orientiertes Wahlverhalten. Latinos und Asiaten sind konservativer, patriotischer und Werte-orientierter als andere Minoritäten. Durch das „browning of America“ – die Immigration aus Lateinamerika und Asien – wurden die Schwarzen als größte Minderheit verdrängt. Bush erhielt 45 Prozent der „Hispanic“ aber nur 11 Prozent der schwarzen und 25 Prozent der jüdischen Stimmen. Und Bush erhielt 45 Prozent der asiatischen Stimmen. Die Annahme, Schwarze, „Hispanics“, Asiaten und Juden würden fast ausschließlich für die Demokraten stimmen, hat sich als Illusion erwiesen.

John Kerry hat die Wahl nur knapp verloren. Von einem „großen Mandat“ für Bush kann keine Rede sein. Die Wahl 2004 ergab keinen Erdrutsch. 3,5 Millionen Stimmen mehr für Bush sind beachtlich aber weitaus knapper als fast alle Wahlergebnisse im 20. Jahrhundert. Seit 1904 konnten 23 der 25 Sieger größere Mehrheiten im Wahlmännergremium und bei der Gesamtstimmenzahl als George W. Bush im Herbst 2004 vorweisen: Bill Clinton, George Herbert Walker Bush, Ronald Reagan, Richard Nixon, Lyndon Johnson, Dwight Eisenhower, Harry Truman, Franklin Roosevelt, Herbert Hoover, Calvin Coolidge und Woodrow Wilson haben ihre Wahlen mit weit größeren Mehrheiten als George W. Bush im Jahr 2004 gewonnen. Bushs knapper Wahlsieg (286 – 252 Wahlmänner) war eine Wackelpartie. Und diese Mehrheit ließe sich 2008 kippen.

Die Demokraten müssen wieder nach rechts rücken. Sollte Hillary Clinton 2008 antreten, muss sie die Aura der „Linksliberalen“ ablegen und versuchen, auch Stimmen im Süden zu erobern. Sie ist dazu fähig. Als sie für den US-Senat kandidierte, zog sie durch jede Kleinstadt von New York. Ähnlich fleißig könnte sie durch den Mittelwesten und den Süden ziehen. Es gäbe eine dramatische Schlacht. Die Republikaner würden sie als linksliberale Xanthippe verteufeln; aber da New York City, Chicago und San Francisco hinter ihr stehen, kann sie die ländlichen und konservativen Wähler in North Carolina oder Ohio beeindrucken. In einigen pro-Bush und pro-Kerry Staaten sind die Mehrheiten weiterhin knapp. Ein zentristischer, gemäßigt liberaler Wahlkampf mit Konzentration auf den Süden und Mittelwesten könnte Hillary Clinton das Weiße Haus öffnen.

Bis dahin muss George W. Bush mit starker Opposition im Senat und Repräsentantenhaus rechnen. Trotz Republikanischer Hegemonie im Weißen Haus und Kongress werden die Demokraten George W. Bush das Regieren erschweren. Die Demokraten brauchen sich nicht zu verstecken: Kerry hat nur knapp verloren. Große Mehrheiten in Chicago, San Francisco und Boston erwarten einen harten Kampf gegen Unilateralismus, Haushaltsdefizite, sozialen Abbau, Vernichtung von Arbeitsplätzen und Steuerbefreiungen für die Reichen. Die Niederlage von 2004 kann in vier Jahren vergessen sein. Hillary Clinton wartet auf ihre Chance. Und wenn die Strategie stimmt, können die Demokraten ihre Basis erweitern, im Süden und Mittelwesten punkten und die Republikanische Hegemonie brechen.