IRAKKRISE ÜBERSCHATTET ASIENREISE DES US-PRÄSIDENTEN
Friederich Mielke
US-Präsident Bush hat seine Asienreise beendet. Nach
Gesprächen in Japan, Südkorea und China dankte er
der Mongolei für ihren militärischen Einsatz im
Irak: „Die mongolische Armee kämpft für die
Freiheit im Irak, und die US-Streitkräfte sind stolz
darauf, neben derart tapferen Soldaten zu kämpfen“,
sagte er in Ulan Bator. Bush lobte die demokratische Entwicklung
der Mongolei. Das Land habe sich in 15 Jahren vom Kommunismus
zur Freiheit entwickelt und eine lebendige Demokratie aufgebaut:
„Die Mongolei ist ein Beispiel für Erfolg in dieser
Region und in der Welt“, rief Bush.
In Ulan Bator war der Präsident gut gelaunt. Doch die
Freude der Mongolen über den ersten Besuch eines US-Präsidenten
konnte die Probleme der Amerikaner nicht kaschieren. Die Asienreise
war nur ein Teilerfolg. In China äußerte sich Außenministerin
Rice besorgt über die Modernisierung der chinesischen
Großarmee. Präsident Hu hatte zwar versprochen,
das Handelsdefizit zwischen China und den Vereinigten Staaten
auszugleichen; er hat jedoch keinen Plan zur Erreichung einer
ausgeglichenen Handelsbilanz vorgelegt. Und in der Menschenrechtsfrage
klagte Außenministerin Rice, dass „keine Fortschritte
erzielt wurden.“ Menschenrechte hätten nur einen
„sehr, sehr kleiner Teil der Tagesordnung“ bestimmt,
sagte ein chinesischer Beamter.
Auch in Korea erlitt der US-Präsident eine Schlappe.
Während seines Staatsbesuches verkündete das südkoreanische
Verteidigungsministerium den künftigen Abzug eines Drittels
seiner Truppen aus dem Irak. Washington fühlte sich brüskiert,
man hatte die Amerikaner nicht informiert. Dennoch war der
Besuch in Korea kein Misserfolg: Seoul und Washington bestätigten
das „Prinzip, dass der Atomstreit mit Nordkorea durch
friedliche und diplomatische Mittel gelöst werden muss.“
Außerdem wollen Bush und der südkoreanische Präsident
Roh den Koreakrieg nach mehr als 50 Jahren mit einem Friedensvertrag
formell beenden.
In der Atomwaffenfrage war den Amerikanern bereits im September
ein Durchbruch gelungen. Pjöngjang hatte sich schriftlich
verpflichtet, alle Atomwaffen abzuschaffen und seine Atomprogramme
einzustellen. Die USA hatten erklärt, dass sie Nordkorea
weder atomar noch konventionell angreifen wollen. Inzwischen
ist die Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und
Nordkorea im Gespräch. Bush hatte Nordkorea einst als
„Vorposten der Tyrannei“ kritisiert.
Der US-Präsident zeigte sich mit der Asienreise zufrieden.
Der chinesische Präsident Hu habe ihm zugehört und
über Menschenrechte gesprochen. „Vor zehn Jahren
hätte ein chinesischer Politiker nicht über Demokratie
und Menschenrechte geredet“, sagte Bush. „China
ist ein großes, wachsendes und starkes Land. Unsere
Beziehung mit China ist gut, dynamisch und stark.“
Die Asienreise wurde von der aktuellen Irakkrise überschattet.
In Peking musste der Präsident kritische Fragen zur Irakpolitik
beantworten. „Ich bin nicht überrascht, dass man
über den Irak spricht“, meinte Bush in China. In
Asien könne man gut über den Irak nachdenken: Japan
sei einst der Feind Amerikas gewesen. Seit dem Zweiten Weltkrieg
sei Japan ein friedlicher und demokratischer Verbündeter.
Die Verbreitung der Demokratie habe Asien zur friedlichen
Region der Welt gemacht. Weil im Irak viel auf dem Spiel stehe,
werde man noch lange über den Irak streiten.
In Washington wird die Irakdebatte immer schärfer. Die
mitreisenden Journalisten des Pressecorps wurden immer kritischer.
Der Hinweis auf angebliche „Fortschritte“ erscheint
unglaubwürdig. Inzwischen verbreitet sich die Nachricht,
dass die amerikanische Öffentlichkeit zunehmend dem Präsidenten
die Gefolgschaft verweigert. Weder im Korea- noch im Vietnamkrieg
habe die Öffentlichkeit derart schnell ihre Unterstützung
aufgegeben. Die Bush-Regierung steckt in der Krise.
Für den US-Präsidenten ist all dies kein Grund,
den Kirchgang in Peking abzusagen. Mit der Bibel unterm Arm
erinnerte er die Chinesen daran, dass Religionsfreiheit in
Amerika groß geschrieben wird. George W. Bush blieb
sich selber treu. Er zeigte sich als Christ und Sportler.
Seine Radtour mit Rennradfahrern des chinesischen Olympiateams
war symbolisch: Richard Nixon hatte einst die Pingpong-Diplomatie
betrieben. Vielleicht beginnt jetzt die Ära der „Fahrraddiplomatie“.