CONDOLEEZZA RICE PRÄSENTIERT US-IRANPOLITIK IN BERLIN
Friederich Mielke
Wenn Dr. Rice am Donnerstag Bundeskanzlerin Merkel trifft,
steht die Iranfrage auf der Tagesordnung. Die US-Außenministerin
will in Berlin mit den Außenministern der fünf
permanenten UNO-Sicherheitsratsmitglieder über den Iran
konferieren. Russland, Frankreich, Großbritannien, China,
die USA und Deutschland hatten im Januar beschlossen, das
Iranproblem dem UNO-Sicherheitsrat vorzulegen. Eine Resolution
konnte noch nicht verabschiedet werden, weil Russland und
China die Androhung von Sanktionen, Fristen und Strafaktionen
ablehnen. Die Berliner Konferenz wird jedoch unabhängig
vom Scheitern der gemeinsamen Erklärung stattfinden.
Für Condoleezza Rice bietet sich in Berlin eine Gelegenheit,
die US-Iranpolitik vorzutragen. Sie muss die Erklärung
von Vizepräsident Cheney rechtfertigen, die USA werde
nicht zulassen, dass der Iran in Besitz von Nuklearwaffen
kommt. Vor vier Jahren hatte Cheney die Irakinvasion gefordert.
Er hatte das Märchen von Massenvernichtungswaffen erzählt.
Jetzt besteht Cheney auf Sanktionen, sollte der Iran seine
Urananreicherung nicht unterlassen. Das Szenario ähnelt
dem Vorspiel zum Irakkrieg. Die Außenministerin muss
ihre Gesprächspartner(innen) beruhigen oder von einer
härteren Gangart gegenüber dem Iran überzeugen.
„Der Iran ist verpflichtet, die Bedingungen des Nichtverbreitungsvertrages
zu erfüllen“, meint US-Außenamtssprecher
McCormack. „Der Iran muss der Welt beweisen, dass er
über das Nuklearprogramm verhandeln will. Dies ist der
Iran dem Rest der Welt schuldig.“ McCormack unterstellt
dem Iran, das angeblich friedliche Atomenergieprogramm für
ein geheimes Atomwaffenprogramm zu missbrauchen. Die US-Diplomanten
wollen dem Iran den Betrieb von Atomkraftwerken nicht verbieten.
Sie bestehen jedoch darauf, dass der Iran keine Anreicherungsfähigkeiten
haben dürfe. Die langen Täuschungsmanöver der
iranischen Regierung hätten Washington misstrauisch gemacht.
Dr. Rice meinte inzwischen auf CNN, die Vereinigten Staaten,
Europa und Russland bestünden gemeinsam auf der Einhaltung
der Auflagen der Internationalen Atomenergiebehörde.
Die IAEA hatte den Iran am 4. Februar aufgefordert, die Uran-Anreicherung
zu unterlassen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
„Auch Russland hat dieser Resolution zugestimmt“,
sagte Rice. „Jetzt müssen wir uns im Sicherheitsrat
über die Taktik einigen, wie wir die Iraner zur Einhaltung
ihrer Verpflichtungen bringen.“ Rice lehnt eine Verzögerungstaktik
ab. Jeder wisse, was zu tun sei – aber man habe sich
noch auf keinen UN-Resolutionstext einigen können.
Nicholas Burns, politischer Staatssekretär im US-Außenministerium,
hält den Iran für eine Bedrohung amerikanischer
Interessen im Nahen Osten. „Der Iran ist in den letzten
sechs Monaten immer radikaler geworden“, sagte Burns
vor einem Kongressausschuss am 8. März. „Kein Land
widersetzt sich derart vehement unseren Bemühungen um
Frieden und Freiheit im Nahen Osten“. Präsident
Bush und Außenministerin Rice hätten der Iranfrage
höchste Priorität eingeräumt.
Die USA wollen den Iran am Erwerb von Atomwaffen hindern;
dies soll innerhalb einer breiten internationalen Koalition
geschehen. Der Iran soll den Export von Terrorismus unterlassen
und seine aggressive regionale Expansionspolitik aufgeben.
Obendrein soll dem jungen iranischen Volk geholfen werden,
sich von der repressiven Regierung und der staatlichen Misswirtschaft
zu befreien. Burns betonte, dass er elfmal zu Konsultationen
nach Europa gereist sei. Der Iran habe versucht, Russen, Europäer
und Chinesen in der Iranfrage zu spalten, doch die iranischen
Politiker hätten „unsere Fähigkeiten unterschätzt,
eine starke internationale Koalition zu bilden“.
Die USA, so Burns, unterstützen eine „friedliche
und diplomatische Lösung des iranischen Atomproblems“.
Amerika arbeite mit den drei Europäern in der UNO zusammen,
„um das Verhalten des Irans zu ändern“. Teheran
solle sich an den Nichtverbreitungsvertrag halten, die Urananreicherung
aufgeben und an den Verhandlungstisch zurückkehren. Das
iranische Problem bestünde seit einer ganzen Generation,
und es könne noch eine Generation dauern, bis es gelöst
sei. Doch das Problem müsse „ernsthaft und effektiv“
angepackt werden. Es müsse gelingen, „den Iran
einzudämmen und dem Nahen Osten eine demokratische Zukunft
zu schenken.“