RICE IN NAHOST: BEHERZTER EINSATZ IN DESPOTISCHER REGION

Friederich Mielke


Sie gehört zu den Anstiftern des Irakkrieges. Als US-Sicherheitsberaterin hatte Condoleezza Rice vor den Massenvernichtungswaffen des Irak gewarnt. Im September 2002 verbreitete sie Angst und Schrecken in Amerika. Auf CNN meinte sie, der „rauchende Colt“ des Saddam Hussein könne sich in einen „Atompilz“ verwandeln. Tausende von Nuklearspezialisten würden am irakischen Atomprogramm basteln. Ein „Präventivkrieg“ sei unvermeidlich.

Als Außenministerin ist sie heute für das Chaos im Nahen Osten mitverantwortlich. In diplomatischer Mission reist sie in den Irak, nach Bahrain, Saudi-Arabien, Israel und Palästina. Sie will zwei Reformprojekte ankündigen, den strategischen Dialog mit Saudi-Arabien fortsetzen und den Friedensprozess mit Israelis und Palästinensern vertiefen. In Bahrain präsentiert Rice einen 100 Millionen großen „Zukunftsfond“. Das Geld soll der Förderung von Klein- und Mittelbetrieben dienen. Eine „Zukunftsstiftung“ stellt 50 Millionen Dollar für die Entwicklung von Pressefreiheit, Frauenrechten und Parteien zur Verfügung. „Es ist bemerkenswert“, sagt die Außenministerin, „dass wir arabische Partner bei diesen Projekten haben.“

Ihr Besuch in Mosul war ihr zweiter Besuch im Irak seit Übernahme des US-Außenamtes. Mosul liegt im Zentrum des sunnitischen Terrorismus. Rice wollte zeigen, dass der Aufstand durch irakische Sicherheitskräfte niedergeschlagen werden kann. Die amerikanische Strategie des „Aufräumens, Haltens und Wiederaufbaus“ sei erfolgreich. „Wir wollen unsere politischen und militärischen Aktivitäten besser koordinieren“, sagte Rice in Mosul. Sie zeigt Flagge in einem Land, dessen gewaltige Probleme sie mitverschuldet hat.

Ein Sprecher der Außenministerin sagte vor ihrer Abreise, Dr. Rice werde in Bahrain und Saudi-Arabien „sehr freundlich“ empfangen werden. Saudi-Arabien und die USA werden ihren „strategischen Dialog“ vertiefen. Inzwischen hat das US-Außenministerium Saudi-Arabien in einem Bericht über den globalen Stand der Religionsfreiheit kritisiert. „In Saudi-Arabien hat die Regierung die Religionsfreiheit besonders schwer verletzt“, sagte Dr. Rice bei der Präsentation des Berichtes. „Wir wollen die Situation in diesem Lande verbessern. Die Religionsfreiheit ist die wichtigste Freiheit der menschlichen Seele.“

Die Kritik an Saudi-Arabien macht die Reise der Außenministerin zum diplomatischen Eiertanz. Ihr „strategischer Dialog“ kann nur gelingen, wenn sie Religionsfreiheit, Pressefreiheit oder Meinungsfreiheit ignoriert. Die US-saudi-arabische Beziehung basiert seit langem auf dem stillen Konsens, dass Themen wie Menschenrechte, Demokratie oder Rechtsstaatlichkeit totgeschwiegen werden. Die Saudis treten Demokratie und Menschenrechte ungestraft mit Füßen.

Die Vereinigten Staaten sind Beschützer des fundamentalistischen Islam in Saudi-Arabien. Die USA kaufen billiges Öl in Saudi-Arabien und verkaufen teure Rüstungsgüter an Riad. Ein bombensicheres Geschäft. Sicherheit gegen Öl: Diese „unheilige Allianz“ ignoriert Religionsfreiheit und Frauenrechte. Die Saudis verbitten sich jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten ihres Landes. Die autoritäre Arroganz der Ölprinzen duldet keine Kritik.

Die Vereinigten Staaten seien ein Vorbild für den Rest der Welt, betont der Außenamtssprecher. Der saudische König Abdullah habe erkannt, dass die Religionsfreiheit ein wichtiges Thema sei. Der Impuls für den Wandel käme von innen und nicht von außen. Da die Vereinigten Staaten diesen Wandel ermutigen, könne es Fortschritte geben: „Wir werden keine Fragen offen lassen, die für uns wichtig sind“, meint der Außenamtssprecher.

Als Frau und Amerikanerin kann Dr. Rice die Religionsfreiheit in Saudi-Arabien nicht fördern. Die Königsfamilie sperrt sich gegen Kritik am autoritären und fundamentalistischen Familienbesitz. Die US-Rüge prangert dennoch die horrenden Bürger- und Menschenrechtsverletzungen an. Nach dem 11. September haben viele Amerikaner erkannt, dass ihre „unheilige Allianz“ mit Saudi-Arabien die fundamentalistischen Kräfte in Riad stärkt. Condoleezza Rice mag scheitern, aber ihre Kritik rettet ein Minimum von westlicher Integrität. Als „Vorbild für die Welt“ sind die USA verpflichtet, die saudi-arabischen Missstände zu kritisieren. Die US-Regierung hat endlich begonnen, den regionalen Demokratisierungsgedanken auf die autoritären Potentaten des Nahen Ostens zu übertragen.