US-WAHLKAMPF 2008: DR. RICE GEGEN SENATORIN CLINTON?
Friederich Mielke
Vier Monate nach der US-Wahl 2004 ist es zu früh, über
den Wahlkampf 2008 zu spekulieren. Es gibt zu viele potentielle
Kandidaten, zu viel Unvorhergesehenes. Und dennoch: In Amerika
werden zurzeit zwei Frauen ins Gespräch gebracht, deren
Aussichten auf die US-Präsidentschaft das Land elektrisieren
- US-Außenministerin Condoleezza Rice und Senatorin
Hillary Clinton. Rice ist schwarz, Republikanerin und Bush-Vertraute;
Clinton ist weiß, Demokratin und Frau eines Ex-Präsidenten.
Da es bisher keine Präsidentschaftskandidatin in der
US-Geschichte gab, stürzen sich Kommentatoren und Analysten
auf das Thema: Ist Amerika reif für eine Präsidentin?
Ist Amerika reif für eine schwarze Präsidentin?
Für viele wäre ein Showdown zwischen Rice und Clinton
der ideale Präsidentschaftswahlkampf 2008. Auf allen
Fernsehkanälen betont Condoleezza Rice, dass sie 2008
nicht kandidieren will. Frau Clinton sagt das gleiche, doch
es bleibt ein Hauch von Skepsis: „Ich meine, die Lady
protestiert zu stark“, denkt Shakespeares Hamlet und
glaubt, seine Mutter bloßgestellt zu haben. Da Dr. Rice
und Hillary Clinton zu sehr protestieren, könnten sie
stillschweigend nach dem höchsten Amt Amerikas greifen
wollen. Clinton ist eine exzellente Politikerin; und Rice
steht im Ruf, charismatisch, intelligent, fleißig und
knallhart zu sein. Bei Umfragen liegen Clinton und Rice gleichauf.
Viele Amerikaner könnten sich vorstellen, eine dieser
Frauen im Weißen Hause zu sehen.
Hillarys Stärken sind bekannt: Sie ist eine brillante
Wahlkämpferin, kann Spenden eintreiben, redet selbstbewusst
und überzeugend und hat einen vortrefflichen Ruf unter
Freunden und Sympathisanten. Ihre Schwächen: Sie würde
als „liberale“ Senatorin aus New York ins Rennen
gehen: Bisher haben „liberale“ Senatoren aus Amerikas
Nordosten jeden Präsidentschaftswahlkampf verloren. John
Kerry war das letzte Opfer. Hillary würde den Hass der
Republikaner provozieren. Der Whitewater-Skandal, die Lewinsky-Affäre
und das Krankenkassen-Fiasko würde sie einholen. Republikanische
Strategen würden Hillary als „gefundenes Fressen“
angreifen. Es gäbe einen schmutzigen Wahlkampf.
Hillary Clinton ist politisch ins Zentrum gerückt. Sie
studiert Sicherheitsfragen, besucht den Irak und nimmt an
der Münchener Sicherheitskonferenz teil. Im „Krieg“
gegen den Terror braucht Amerika eine starke Hand im Weißen
Haus. Die Zeiten der radikal-feministischen Revoluzzerin sind
passé. Um Stimmen aus den „roten“ Republikanischen
Staaten zu gewinnen, muss sie allzu links-liberale Positionen
aufgeben. In der Abtreibungsfrage hat sie ihre Meinung gemäßigt.
Und sie betont inzwischen, dass die Vereinigten Staaten –
wenn nötig - außenpolitisch auch ohne Unterstützung
durch die Alliierten handeln sollten. Multilateralismus ist
gut und schön, aber Amerika darf auch alleine handeln.
Da Mrs. Clinton eine äußerst erfahrene Wahlkampfstrategin
ist, wird sie von den Demokraten unterstützt. Hätte
sie sich 2004 zur Wahl gestellt, wäre sie von der Partei
zur Präsidentschaftskandidatin nominiert worden. John
Kerry, Howard Dean oder Joe Lieberman wären chancenlos
geblieben. Für Hillary Clinton gilt: Entweder sie genießt
die volle Unterstützung ihrer Sympathisanten, oder sie
wird gehasst.
Bei Dr. Rice ist die Prognose nicht so einfach. Umfragen
platzieren sie gleichauf mit dem New Yorker Ex-Bürgermeister
Rudy Giuliani oder Senator McCain. Sie hat bisher für
kein öffentliches Amt kandidiert. Sympathisanten halten
sie für charismatisch und intelligent genug, um direkt
ins Weiße Haus gewählt werden zu können. Als
enge Bush-Vertraute kennt sie die Entscheidungsprozesse im
Weißen Haus. Als Außenministerin genießt
sie den Respekt vieler Demokraten. John Kerry und Senatorin
Barbara Boxer haben sie zwar schwer angegriffen, doch hinter
verhohlener Hand werden ihr Mut und Selbstvertrauen bescheinigt.
Für die Demokraten ist Dr. Rice kein Leichtgewicht. Die
Vorstellung, die Republikaner könnten eine schwarze Frau
ins Rennen schicken, beunruhigt sie: Die Schwarzen gehören
traditionell ins politische Lager der Demokratischen Partei.
Inzwischen hat Mrs. Rice liberale innenpolitische Positionen
besetzt, die sich vom US-Präsidenten unterscheiden –
in der Abtreibungsfrage und bei Quoten für Minderheiten.
Beobachter erkennen eine Positionierung für einen eventuellen
Wahlkampf.
Niemand weiß, ob Amerika heute eine weiße oder
schwarze Frau im Weißen Haus haben möchte. Geraldine
Ferraro war bisher die einzige Frau, die sich je zur Wahl
stellte – als Vizepräsidentin im Jahre 1984. Ronald
Reagan machte ihre Ambitionen zunichte: Er gewann mit einem
Republikanischen „Erdrutsch“ in 48 Staaten. Die
Niederlage mit „Fritz“ Mondale aus Minnesota war
bitter. Hillary Clinton ist nicht Geraldine Ferraro, deren
Ehemann angeblich der Mafia nahe stand. Hillarys Ehemann ist
ein zweimal gewählter US-Präsident. Eine „neue“
Hillary hätte gute Chancen – „neu“
im Sinne von gemäßigt progressiv, gemäßigt
liberal mit konservativ-religiösen Werten. Eine außenpolitisch
starke und innenpolitisch moderate Hillary könnte ins
Weiße Haus und damit nach Hause zurückkehren.
Und Dr. Rice? Viel hängt vom Erfolg der Außenpolitik
der Bush-II-Regierung ab. Sollten sich die Republikaner für
„Condi“ entscheiden, hätte sie eine exzellente
Ausgangsposition. Wenn die Projekte im Nahen Osten gelingen
– in Asien, Korea oder im Iran -, wird Dr. Rice den
Respekt von oppositionellen Politikern und Publizisten gewinnen.
Sie wäre die Schutzpatronin der nach Freiheit und Demokratie
strebenden Völker. Und sie wäre Siegerin im „Krieg“
gegen den Terror. Eine Garantie dafür gibt es jedoch
nicht.