Kommentar
Hillary Clinton gewinnt drei US-Vorwahlen
SIEGER MCCAIN
Friederich Mielke
Hillary Clinton kämpft weiter. Sie hat in Ohio, Texas
und Rhode Island gesiegt und verkündet, sie sei „ausgezählt
aber nicht K.O. geschlagen worden“. Barack Obama liege
zwar weiterhin vorn, aber sie könne den Vorsprung bis
zur Nominierung einholen. Sie habe bewiesen, dass die wichtigsten
US-Staaten hinter ihr stünden. Das sei für den Endkampf
gegen McCain entscheidend.
Frau Clinton kann die Nominierung noch gewinnen: Die so genannten
„Superdelegierten“ müssen für sie stimmen,
in Michigan und Florida müssen Nachwahlen stattfinden,
und sie muss in den letzten Vorwahlen deutlich siegen. Das
ist zwar möglich aber unwahrscheinlich. Ihre Negativkampagne
gegen Obama hat in Ohio genützt, langfristig wäre
ein hässlicher Wahlkampf nachteilig: Der Wahlkampf der
Demokraten könnte zur Schlammschlacht degenerieren. Barack
Obama hat sich bisher zurückgehalten. Eine Präsentation
von Hillarys Altlasten würde sie in die Defensive zwingen.
Obama ist ein fast unbeschriebenes Blatt. Sein Versprechen
einer Zeitenwende klingt überzeugender als Hillarys Appell
an ihre „Erfahrung“.
John McCain steht bereits als Sieger da. Er ist ab heute
der Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Sein Wahlkampf
wird nicht mehr durch Vorwahlen, Negativkampagne oder innerparteiliche
Querelen gestört. Bei einer Schlammschlacht zwischen
Obama und Clinton wäre er der lachende Dritte. Der aufreibende
Vorwahlkampf der Demokraten stärkt die Ausgangsposition
der Republikaner.
Trotz der jüngsten Siege hat Hillary schlechte Karten.
In Ohio wurde sie primär von Arbeitslosen und älteren
Menschen gewählt, die ihrer „Erfahrung“ vertrauen.
Hier war die Wirtschaft das Hauptthema. In den verbleibenden
Staaten liegt Obama wieder vorn. Seine Rhetorik der Erneuerung
hat ganz Amerika ergriffen. Die „Obama-Manie“
ist mit dem Zeitenwandel vergleichbar, den Ronald Reagan 1980
und Bill Clinton 1992 auslösten. Auch damals wurde von
Hoffnung, Neuanfang und Wandel gesprochen. Ob Hillary Clinton
diese Dynamik noch aufhalten kann, ist trotz ihrer jüngsten
Erfolge fraglich. Die Demokraten wissen, dass Obama bessere
Chancen gegen McCain hat. Frau Clinton wird weiterkämpfen,
das Spiel ist noch offen. Doch wahrscheinlich ist auch, dass
die begonnene Zeitenwende mit dem Jungdynamiker Obama vollzogen
wird.