JOHN MCCAIN IM WAHLKAMPF: KÖNNEN DIE DEMOKRATEN IHN SCHLAGEN?

Friederich Mielke

Senator John McCain tritt im Kampf um das Weiße Haus gegen die Demokraten an. Er kommt mit Erfahrung, Integrität und Kraft in den Wahlkampf, und Amerika fragt sich, ob er zu schlagen ist. Bisher sei der Vorwahlkampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama vergleichsweise artig verlaufen. Im Finale gegen McCain werde mit härteren Bandagen gekämpft. Heute führt Barack Obama in Umfragen mit etwa fünf Prozent vor McCain, Hillary Clinton liegt zurück. Doch McCain könne aufholen. Er sei nicht der erste Präsidentschaftskandidat, der als „underdog“ ein Comeback inszenierte und die Wahl gewinnen konnte.

Die Demokraten fürchten die „Angriffsmaschine“ der Republikaner. Sollte Barack Obama nominiert werden, könnten ihn die Gegner leicht diskreditieren – als unerfahren, naiv, zu jung oder zu links. Außen- und sicherheitspolitisch sei McCain versierter und kompetenter. Als gestandener Wahlkämpfer könne McCain klüger taktieren und mehr Durchhaltekraft demonstrieren. Er hat Niederlagen bisher gut weggesteckt und Standfestigkeit bewiesen – im Krieg und im Frieden. Der Vergleich zwischen Obama und Kennedy sei unrealistisch: Kennedy habe acht Jahre im Repräsentantenhaus und sieben Jahre im Senat gedient, bevor er das Weiße Haus anstrebte. Die „Obama-Manie“ – die Begeisterung für den Jungdynamiker aus Illinois – könne abebben. Dann wäre McCain der strahlende Sieger.

Auch ein „schmutziger“ Wahlkampf könnte Obama zum Entgleisen bringen. Kritik an seiner Religionszugehörigkeit oder mangelnder patriotischer Loyalität könnte im Internet anonym auftauchen. Man könne dann den Republikanern die Verleumdungen nicht nachweisen. Rassistische Töne seien nicht auszuschließen: So hat George Herbert Walker Bush 1988 den schwarzen Straftäter Willie Horton benutzt, um seinen Gegenkandidaten Michael Dukakis zu diskreditieren. Im Wahlkampf 2004 haben verleumderische Veteranen die militärische Leistung von John F. Kerry in Vietnam angezweifelt. Weil Kerry nicht scharf reagierte, hat ihm die Diffamierung geschadet. „Es liegen Welten zwischen den politischen Positionen der Demokraten und Republikaner“, meint ein Beobachter in Washington. McCain könnte Obama als typisch Linken diskreditieren – als gefährlichen Demokraten, der Steuern erhöhen will, eine gesetzliche Krankenversicherung erzwingen möchte und Amerikas Position in der Welt schwächen werde.

Trotz der prekären Ausgangslage hat Obama jedoch beste Chancen, McCain zu besiegen. Amerika sucht Erneuerung, Wandel und Läuterung. Die Zeit ist mit den Wahlkämpfen 1980 und 1992 vergleichbar, als Ronald Reagan und Bill Clinton „Hoffnung“ und Wandel versprachen. Reagan und Clinton kamen mit wenig außenpolitischer Erfahrung ins Amt. Sie gaben den Wählern, was sie brauchten: ein neues Selbstwertgefühl, Zuversicht und Optimismus. Obamas Vision eines starken, geeinten und gewandelten Amerikas trifft auf ein Land, das nach acht Jahren Bush-Kalamitäten erschöpft und enttäuscht ist. „Es ist Zeit, dass sie jetzt gehen“, hat Clinton 1992 gerufen. Das gleiche sagt Obama. Er führt einen ähnlichen Wahlkampf wie Bill Clinton und Frau Hillary, als sie 1992 gegen Bush Senior antraten. Die Aufbruchstimmung ist echt. Obamas „Ja, wir schaffen es“ ist Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach Verjüngung und Wandel. McCain bietet die Alternative des status quo, der Bush-Ära und der Stagnation.

Obama wäre fast unschlagbar, wenn er sich mit einem hochkarätigen Kompetenzteam umgibt. Er könnte Mike Bloomberg zum Finanzminister ernennen, der von links und rechts respektiert wird. Sollte er Senator Sam Nunn zum Außenminister ernennen, könnte er McCain mit einem erfahrenen und geschätzten Schwergewicht Paroli bieten. Und ein Verteidigungsminister Chuck Hagel wäre nicht nur ein Kriegsheld im Kabinett, Hagel hat sich auch als Kritiker des Irakkrieges profiliert. Dieses exzellente Team würde Obama die Kompetenz und Erfahrung schenken, die er zurzeit angeblich nicht mitbringt. Gegen diese Mannschaft müsste McCain mehr aufbringen als „Erfahrung“ und das fahrlässige Gerede von „einhundert Jahren“ amerikanischer Präsenz im Irak.

Dennoch darf McCain nicht unterschätzt werden. Auch er wird eine starke Mannschaft vorstellen – und sicher auch kompetente Frauen. Mehrheitlich wollen die Amerikaner aber schnell aus dem Irak abziehen, eine nationale Krankenversicherung einführen und den Haushalt sanieren. Das ist Obamas Territorium, auf dem er leicht punkten wird. „Ich hatte eine Begegnung mit dem Schicksal“, rief Ronald Reagan 1980, als er Jimmy Carter humorvoll und gelassen schlug. Wenn Obama sich selbst treu bleibt, die Verleumdungen abprallen lässt und die Gunst der Stunde weiterhin nutzt, wird er am 5. November zum 44. Präsidenten der USA gewählt. Die Republikanische „Angriffsmaschine“ hätte dann ihre Wirkung verloren. Der Jungdynamiker und Hoffnungsträger hätte obsiegt.