PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT JOHN MCCAIN WIRD HOFFNUNGSTRÄGER
DER REPUBLIKANER
Friederich Mielke
Die Republikanische Partei in den USA steckt in der Krise.
Die erfolglose Politik ihres Präsidenten hat viele Wähler
entmutigt. Selten ist ein US-Präsident so hoffnungslos
gescheitert wie George W. Bush. Die Wähler sind orientierungslos:
Die ständig wechselnden Mehrheiten für die republikanischen
Präsidentschaftskandidaten sind ein Indiz für die
Krisenstimmung. Die Republikaner suchen Führung, Orientierung
und Glaubwürdigkeit, die unter der Bush-Regierung verloren
gingen. Inzwischen werden auch seltsame politische Meinungen
von den Republikanischen Präsidentschaftskandidaten verbreitet
– von Ausweisungen illegaler Einwanderer bis zum Versuch,
die Evolutionstheorie zu verbieten. Selten waren die Republikaner
derart kopflos und konfus.
George W. Bush trägt primär die Verantwortung für
diese Misere. Es ist ihm nicht gelungen, das Wahlvolk innen-
und außenpolitisch zu überzeugen. Traditionalisten
kritisieren die Ausgabenpolitik der Bush-Regierung und sehnen
sich nach fiskaler Disziplin. Die Republikaner suchen jetzt
einen „Anti-Bush“, der die Partei neu vereinen,
führen und überzeugen soll. Die bisher erfolgreichen
Präsidentschaftskandidaten Huckebee, McCain und Romney
unterscheiden sich stark von Bush. Die Republikaner wollen
die Bush-Ära überwinden und den Neuanfang suchen.
Ein Neubeginn bereitet sich bei den Demokraten vor: Während
Barack Obama als Jungdynamiker die Demokraten auf sich einschwört,
fehlt den Republikanern ein zugkräftiger Hoffnungsträger.
Gesucht wird eine Persönlichkeit, die die politischen,
religiösen und ideologischen Grenzen überwinden
kann. Huckebee ist ideologisch zu extrem, Romney als Mormone
religiös zu umstritten, und Senator John McCain hat zu
viele Feinde bei den Republikanern: Die Konservativen halten
McCain für zu liberal, politisch sprunghaft und für
einen zu scharfen Kritiker der Bush-Regierung. Dennoch könnte
McCain die Partei heilen und vereinen und dann Hillary Clinton
oder Barack Obama herausfordern.
Die Wahlsiege in New Hampshire und South Carolina haben ergeben,
dass die Republikaner den Bush-Kritiker McCain bevorzugen
und Integrität, Erfahrung und Seriosität suchen.
Die Partei könnte sich hinter McCain sammeln und die
umstrittenen Gegenkandidaten Huckebee und Romney fallen lassen.
Mit McCain könnten die Republikaner zu ihren traditionellen
Werten und Prinzipien zurückfinden und der Partei die
Orientierung und Integrität wiedergeben, die sie verloren
hat. Die Voraussetzung für diese Entwicklung: Macains
innerparteilichen Gegner müssen sich zurückhalten
und Parteidisziplin üben.
Senator McCains Stärken liegen in der Außen- und
Sicherheitspolitik. Von allen diesjährigen Präsidentschaftskandidaten
hat McCain außenpolitisch die meisten Kenntnisse und
Erfahrungen. McCain hat die niedrige Truppenstärke bei
der Irakinvasion kritisiert und den Rücktritt von Ex-Verteidigungsminister
Rumsfeld gefordert. Er vertritt eine liberale Umwelt- und
Einwanderungspolitik und hat im Senat dafür gesorgt,
dass den Streitkräften die Anwendung von Folter untersagt
wurde. Diese Positionen werden von giftigen Radiokommentatoren
als zu „liberal“ diskreditiert. Erzkonservative
Republikaner bezweifeln, dass McCain zur richtigen Partei
gehört. Für diese Fundamentalisten wirkt McCain
ebenso als rotes Tuch wie Hillary Clinton in vielen Teilen
der amerikanischen Bevölkerung. Außerdem fordert
McCain einen amerikanischen „Sieg“ im Irak. Wie
könnte er die Partei dennoch einen und zusammenhalten?
McCain ist ein Republikaner alter Schule. Er kämpft
für ausgeglichene Haushalte, niedrige Steuern, Bürokratieabbau
und patriotische Werte. Das kommt bei vielen Republikanern
an. Seine Siege in New Hampshire und South Carolina belegen,
dass die Mehrheit der Republikaner nicht zum Extremismus neigt
und die teilweise „liberalen“ Positionen McCains
dulden kann. Der Senator aus Arizona könnte somit seine
Partei zu ihren traditionellen Grundpositionen zurückführen
und die unglückliche Bush-Ära überwinden. McCain
müsste sich jedoch einen starken und möglichst jungen
Vizepräsidenten nehmen. Er wäre 2009 mit 72 Jahren
zwei Jahre älter als Ronald Reagan bei dessen Amtsantritt.
Sollte er im Amt sterben, sieht die US-Verfassung den nahtlosen
Übergang seiner Regierung auf den Vizepräsidenten
vor. Doch bisher hat sich Senator McCain als gesund munter
und erwiesen. „Die Nachricht von meinem Tode ist stark
übertrieben“, lachte einst Mark Twain. John McCain
zeigt sich ähnlich optimistisch.