Kommentar

US-KONGRESSWAHLEN

DENKZETTEL FÜR BUSH

Friederich Mielke

Für George Bush wird es immer enger: Die republikanische Mehrheit im Kongress ist verloren, seine Irak-, Sozial- und Haushaltpolitik wurde abgestraft. Zwei Jahre vor Ende der Amtszeit des Präsidenten bäumt sich Amerika auf. Einen „Erdrutsch“ hat es zwar nicht gegeben, doch das Votum ist klar: Die Bush-Regierung muss den Kurs im Irak ändern. So geht es nicht weiter.

Dies hat Bush offensichtlich verstanden. Er hat Donald Rumsfeld entlassen, der seit langem im Kreuzfeuer der Kritik steht. Rumsfeld wird zum Sündenbock für alle Fehler, die die Bush-Regierung im Irak begangen hat. Wer einen Tag nach den Zwischenwahlen seinen Verteidigungsminister entlässt ist angeschlagen. Bush hat Rumsfeld bisher hartnäckig verteidigt. Dass er ihn jetzt opfert, kann als Zugeständnis an die Demokraten verstanden werden. Und als Eingeständnis eigener Fehler.

Diese Entlassung beweist, wie brüchig die Bush-Regierung geworden ist. Der Denkzettel, den der Wähler erteilt hat, ist der Auftakt für die kommende Machtkämpfe in Washington. Hierzulande freuen sich viele über den Wahlausgang. Wer die transatlantische Partnerschaft schätzt, wünscht sich eine vernünftige Politik in Washington – Vernunft bei Umwelt, Energie, Menschenrechten, Irankrisen und im Irak. Der Kongress soll’s jetzt richten, die Hoffnung ist groß. Vielleicht gelingt es den demokratischen Abgeordneten, weitere Rücktritte der Bush-Regierung zu erzwingen. Das täte Amerika und der Welt gut.

Doch vor Illusionen sei gewarnt. Die USA geben ihre Hegemonie nicht über Nacht auf. Neue Kongressmehrheiten beenden keinen „Krieg“ gegen den Terror, keine Irakinvasion oder unilaterale Militärdoktrin. Erst wenn die Bush-Regierung erkennt, dass sie sich wirklich verrannt hat, wird sie den Kurs wechseln. Der Kongress kann zwar fordern, untersuchen und blockieren, neue Fakten werden nur von der Regierung geschafft.

Der demokratische Wahlsieg gibt der amerikanischen Demokratie neue Kraft. George W. Bush hat das Image der USA genug beschädigt. Wer ihn zügelt, erhält unsere Sympathie. Diese Wahl beschleunigt den Selbstreinigungsprozess der US-Demokratie. Wer an der transatlantischen Wertegemeinschaft festhält, freut sich über die Kongresswahl. Amerika ist und bleibt eine Demokratie. Das ist die gute Nachricht des Tages.