REPUBLIKANER STREITEN ÜBER IRAKPOLITIK DER BUSH-REGIERUNG
Friederich Mieke
Die Bush-Regierung will Freiheit und Demokratie in den Nahen
Osten tragen. Der Irakkrieg werde geführt, um dem Irak
Volkssouveränität, Demokratie und Freiheit zu schenken.
US-Präsident Bush hat dies in seiner zweiten Amtsantrittsrede
und im Bericht zur Lage der Nation verkündet. Seine Minister
und Republikanischen Parteifreunde jubelten ihm zu. Der Irakkrieg
habe idealistische und selbstlose Ziele. Amerika sei verpflichtet,
die Freiheit zu exportieren und Tyrannen zu beseitigen.
Die Demokratische Opposition, links-liberale US-Medien und
europäische Politiker widersprechen. Der Irakkrieg werde
im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten geführt;
es gehe um wirtschaftliche, militärische und geostrategische
Interessen im Nahen Osten und am Golf. Der Idealismus der
Bush-Regierung sei ein fadenscheiniges Argument. Bush habe
dem amerikanischen Volk nicht die Wahrheit gesagt.
Inzwischen wird die Demokratisierungspolitik auch aus eigenen
Reihen angegriffen. Viele Republikanische Politiker sind enttäuscht:
Der Sieg der Hamas in Palästina und die islamistischen
Wahlsiege im Irak, Libanon und in Ägypten haben die Republikaner
geschockt. Die enormen Kriegskosten desillusionieren die Anhänger
der Bush-Regierung. „Realisten“ und „Neokonservative“
streiten über die richtige Exit-Strategie. Selbst Außenministerin
Rice räumt ein, dass es „eine Debatte“ über
den richtigen Kurs im Irak gäbe: „Die Demokratisierungspolitik
ist ein großer Kurswechsel in der amerikanischen Außenpolitik“,
betont Rice. Amerika müsse sich an diesen Kurs gewöhnen.
Der Republikanische Senator Chuck Hagel ist besonders kritisch:
„Man kann die Demokratie keinem Land aufzwingen, das
keine demokratische Geschichte, Kultur und Tradition hat“,
meint der Senator aus Nebraska. Hagel hat die Bush-Regierung
gelegentlich kritisiert und gilt als „Geheimtipp“
für den Präsidentschaftswahlkampf 2008. Im November
2005 hatte Hagel das Recht jedes Amerikaners betont, „die
Irakpolitik seiner Regierung zu hinterfragen.“ Der Senator
meint außerdem, die Situation im Nahen Osten habe sich
seit der Irakinvasion verschlechtert. Die Bush-Regierung habe
die Konsequenzen des Irakkrieges unterschätzt.
Auch der einflussreiche Republikanische Senator Richard Lugar
ist von der Irakpolitik seiner Regierung enttäuscht.
Lugar kritisiert die enormen Kosten der Irakinvasion und der
Anstrengungen, die zum Aufbau der Demokratie in Afghanistan
und im Irak erforderlich sind. Sein Republikanischer Kollege
im Repräsentantenhaus, Henry J. Hyde, ist ebenso besorgt:
„Wer die Demokratie weiträumig verbreiten will,
muss unbegrenzte Macht und Mittel haben. Und die haben wir
nicht“, meint der außenpolitische Experte Hyde.
Er wird von Newt Gingrich unterstützt, der Amerikas „schwache
Mittel zur Umsetzung der Demokratisierungspolitik“ beklagt.
Gingrich war in der Republikanischen Partei in den 90er Jahren
äußerst einflussreich. Sein Stern ist jedoch inzwischen
gesunken.
Francis Fukuyama, ein prominenter neokonservativer Politologe,
kritisiert ebenfalls die Demokratisierungspolitik der Bush-Regierung.
In seinem neuen Buch zeigt er, dass Bush die Demokratisierung
des Nahen Ostens erst forderte, als keine Massenvernichtungswaffen
im Irak gefunden wurden. Das Thema sei nachgeschoben worden.
Bush habe im Präsidentschaftswahlkampf 2000 die Demokratisierungspolitik
der Clinton-Regierung angegriffen und die Demokratisierung
von Somalia, Haiti und den Balkan als „fehlgeleiteten
Idealismus“ attackiert. Die heutige Situation sei „komisch“,
meint Fukuyama: Ein Republikanischer Präsident würde
die Rhetorik der Clinton-Regierung benutzen, um über
Rechte und Ideale zu reden.
Der ehemalige Generalstabschef von Außenminister Colin
Powell, Lawrence B. Wilkerson, nennt den Irakkrieg „eine
Katastrophe“. Der Iran fühle sich in der Region
gestärkt, Israel sei geschwächt worden, und die
Fehler im Irak hätten den Kampf gegen die Terroristen
erschwert. Auch Henry Kissinger, der oft mit den Republikanern
sympathisiert, ist besorgt. Er fordert eine vernünftige
Exit-Strategie und den Versuch, den Konflikt zu internationalisieren:
Europäer, Pakistanis, Türken und andere Nachbarn
des Irak sollten sich an einen Tisch setzen und das Problem
gemeinsam lösen. Diese Politik erfordere jedoch einen
außenpolitischen Kurswechsel. Und der sei bisher nicht
zu erkennen.