Kommentar

Außenminister Steinmeier in den USA

CHANCE FÜR DIE DIPLOMATIE

Friederich Mielke

Die Deutschen sind in Washington willkommen. Seit Angela Merkel die Kommunikation mit George W. Bush verbessert hat, hört die US-Regierung wieder zu. Deutschlands Außenminister hat eine Chance, die US-Politik zu beeinflussen. Den tragischen Lauf des Irakkrieges kann er nicht ändern, und fürs „Nachtreten“ ist das Thema zu ernst. Doch gegenseitiges Vertrauen sollte ein Abstimmen der wichtigsten Positionen ermöglichen.

Die Deutschen wollen militärisch nicht in den Irak, und das ist gut so. Die Lage der Amerikaner ist dort hoffnungslos. Steinmeier kann zivile Aufbauhilfe anbieten – aber nur, wenn die Sicherheit garantiert wird. Amerikaner und Deutsche müssen wissen, wem die Hilfe gewährt werden soll – den sunnitischen Aufständischen, den schiitischen Milizen oder den militanten Kurden? Im blutigen Chaos des Bürgerkrieges ist die irakische Regierung fast untergegangen. Es wäre sinnlos, die falsche Seite zu stärken.

Außenministerin Rice will das Gesicht ihres Präsidenten wahren und für die US-Position werben. In Afghanistan fordern die Amerikaner Loyalität im Bündnis, im Irak brauchen sie jede Hilfe. Steinmeier kann diplomatische Vermittlung mit Syrien und dem Iran anbieten. Deutschland wäre dafür geeignet, doch Washington müsste zustimmen: George W. Bush lehnt Gespräche mit „Schurkenstaaten“ ab. Er ist und bleibt starrköpfig – trotz Baker-Kommission und europäischer Diplomatie. Wenn Steinmeier Condoleezza Rice überzeugt, könnte sie Bush umstimmen. Das ist die Chance des deutschen Außenministers. Viel hängt jetzt von der „Chemie“ zwischen Rice und Steinmeier ab. Als Außenministerin hat sie das Ohr des Präsidenten.

Die deutsch-amerikanischen Gespräche werden auch die EU-Türkeifrage berühren. Die USA befürworten den türkischen EU-Beitritt. Angela Merkels EU-Präsidentschaft wird die Beitrittsverhandlungen nicht erleichtern. Vielleicht ließe sich ein Kuhhandel mit den Amerikanern arrangieren: Die USA überlassen der BRD die Vermittlungsdiplomatie gegenüber Iran und Syrien, und Merkel zeigt sich in der Türkeifrage konziliant. Das käme allen Seiten entgegen. Und die Türken wären die lachenden Dritten.