US-UMWELTPOLITIK BEIM G-8-GIPFEL IM KREUZFEUER

Friederich Mielke

Beim G8-Gipfel in Schottland steht der globale Umweltschutz auf der Agenda. Die Bush-Regierung erhält dabei ein schlechtes Zeugnis. Als Gegner der internationalen Klimapolitik ist George W. Bush Prügelknabe und Sündenbock. Bush wurde zum Feind aller Umweltschützer, als er das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von Treibhausgasen verwarf. „Das Kyoto-Protokoll hätte unsere Wirtschaft zerstört“, sagte er jüngst zu seiner Rechtfertigung. Als Bundeskanzler Schröder 2001 zum ersten Mal ins Weiße Haus kam, stritt er sich heftig mit Bush über die Treibhausgase. Die Schröder-Bush-Beziehung war deswegen von Anfang an gestört.

Bush argumentiert mit amerikanischen Arbeitsplätzen und amerikanischer Industrie, die angeblich unter der Umweltpolitik leiden. Die umweltschädlichen Industrien hatten im Wahlkampf 2000 kräftig für Bush gespendet. Bergbau, Öl, Kohle und Chemie setzten Bush unter Druck und gewannen. Ab 2001 konnte die Regierung den amerikanischen Umweltschütz stark reduzieren. Kritiker sprechen von einem „Krieg der Regierung gegen die Umwelt“. Die Bush-Regierung beschnitt die nationale Umweltschutzbehörde (EPA), erlaubte Ölbohrungen im Naturschutzpark Alaska, befreite die Automobilindustrie von Einschränkungen des Benzinverbrauchs und entpflichtete Militärbasen, Häfen und Flughäfen von Umweltauflagen. Laut Energiepolitik der Bush-Regierung soll der amerikanische Ölverbrauch zwischen 2000 und 2020 um 37 Prozent wachsen.

Die Umweltschutzorganisation WWF hat die USA inzwischen heftig kritisiert: Im Klimaschutz würden die USA in der G8-Gruppe den letzten Platz belegen. Die US-Regierung habe „aktiv darauf hingearbeitet, die bisherigen Bemühungen der G8 im Umweltschutz aufzuweichen.“ Der WWF will die USA isolieren: „Wenn die Vereinigten Staaten hier hinterherhinken, dann ist es an der Zeit, sie hinter sich zu lassen.“ Die sieben anderen Länder der G8-Gruppe sollten auch gegen den Willen der USA auf „klaren und konkreten Ergebnissen“ für den Klimaschutz bestehen.

Zwischen Bush und Blair könnte es Streit geben. Der Brite will den Klimaschutz thematisieren, doch Bush winkt ab. „Ich mag Tony Blair“, sagte er im Interview. „Ich bin gern in seiner Nähe, er ist ein angenehmer Mensch.“ Die Weltpresse wartet nun darauf zu erfahren, ob Blair tatsächlich den US-Präsidenten in der Klimafrage herausfordern wird. Glaubt man britischen und amerikanischen Medien, so hat der US-Präsident den Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und der Erderwärmung aus der G8-Erklärung gestrichen. Die Bush-Regierung behauptet, es gäbe keinen Kausalzusammenhang zwischen Kohlendioxidemissionen und Erderwärmung. Laut „Washington Post“ darf die G8-Erklärung keine Passagen enthalten, in denen vor Dürren und Überschwemmungen gewarnt wird.

Mit Ausnahme der USA haben sich alle G8-Staaten verpflichtet, ihre Kohlendioxidemissionen bis 2012 auf das Niveau von 1990 zu reduzieren. Beim schottischen G8 soll das Dokument „Klimawandel, saubere Energie und nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet werden. Es gilt als Meilenstein beim Versuch, die Industrienationen der Welt zur ökologischen Kooperation zu verpflichten. Die USA wollen den Text entschärfen und bestehen darauf, den Klimawandel nur eine „langfristige Herausforderung“ zu nennen. Von „steigendem Meerwasser“ darf keine Rede sein – auch nicht von „steigenden Temperaturen, schmelzendem Eis und sich verändernden Ökosystemen.“

Der ehemalige Präsidentschaftskandidat John F. Kerry hat der Bush-Regierung eine „Vogel-Strauß-Politik“ vorgeworfen: „Sie stecken den Kopf in den Sand und glauben, es würde nichts passieren. Doch ihre Politik schadet dem amerikanischen Volk und der Welt.“ Bush bleibt bockig: Trotz enger Zusammenarbeit mit Großbritannien im Irak werde er Tony Blair keinen Gefallen tun. Die USA würden keine kostspieligen Kompromisse eingehen und der US-Wirtschaft schaden.

Es wäre unfair, Amerika pauschal als Umweltverschmutzer zu verdammen. Die USA haben bleifreies Benzin vor Deutschland eingeführt, den Katalysator gibt es fast ebenso lange, und das Dosenpfand wurde im Staate Oregon schon 1970 Gesetz. Die Umweltschutzbehörde (EPA) gibt es seit 1970, der Verbraucherschützer Ralph Nader fordert seit Jahrzehnten ein größeres Umweltschutzbewusstsein, und der „Clean Air Act“ (Gesetz zum Schutze der Luft) verpflichtet die Autoindustrie seit Anfang der 70er Jahre zum Umrüsten der Motoren und zum Verbrauch bleifreien Benzins. Amerika hat eine aktive Umweltschutzbewegung. Viele staatliche, private und ehrenamtliche Institutionen kämpfen für die Umwelt. Umweltverbände wie der Sierra Club, Greenpeace, die Wilderness Society oder Audubon Society fordern saubere Flüsse, Meere, Wüsten und Wälder. Schriftsteller und Journalisten sind engagiert. Amerikanische Umweltbewegungen haben bereits weltweite Kampagnen gestartet – gegen den Treibhauseffekt, das Ozonloch und die Abholzung der Regenwälder.

Die Republikanische „Hegemonie“ in Washington – das Weiße Haus, der Kongress, der Oberste Gerichtshof – sind heute nicht umweltfreundlich. Doch die Amerikaner lieben ihre Natur mit Pazifik, Atlantik, Grand Canyon und die riesigen Wälder von Oregon, Montana und Vermont. Sie hängen an „the great outdoors“, dem freien Leben in freier Natur. Sauberes Wasser und saubere Luft gehören dazu. Keine Regierung kann es sich langfristig leisten, diese Naturverbundenheit zu ignorieren. Als Bush-Vater Senator Al Gore zum „Ozon-Mann“ erklärte, kam er nicht weit: Der „Ozon-Mann“ wurde Vizepräsident, Bush-Vater musste das Weiße Haus verlassen. Die Umweltpolitik der Bush-II-Regierung ist leichtfertig. Irgendwann rächt sich das. Der Wähler wartet schon darauf.